Wer sich ärgert, greift eher ein
In einer Bar kommt es zu einem sexuellem Übergriff. Wer reagiert? Wie? Und warum? Die Antwort darauf ist komplex, zeigt eine neue Studie eines internationalen Forschungsteams. Dafür wurde den Teilnehmenden auf Video eine nachgestellte Szene gezeigt, in der eine Frau in einem Irish Pub von einem Mann bedrängt wird. Die Proband:innen wurden gefragt, ob sie abwarten, Hilfe holen oder mit Worten oder körperlich eingreifen würden.
Vor allem zwei Faktoren beeinflussen die Entscheidung: Eine hilfsbereite und empathische Einstellung motiviert zum Handeln, selbst wenn dies mit einem persönlichen Risiko verbunden ist. Am wahrscheinlichsten schreiten jedoch Menschen ein, die sich über die Situation ärgern – also wütend oder aufgewühlt wären, wenn sie die dargestellten Ereignisse selbst erleben würden.
Aber auf welche Art greifen die Zeugen ein? „Indirekt“, indem sie Hilfe holen, oder „direkt“, indem sie selbst verbal oder körperlich aktiv werden? Menschen, die ähnliche Situationen schon einmal mit- oder selbst erlebt haben, sind eher bereit, direkt einzugreifen. Und: Je stärker die Teilnehmenden der Überzeugung sind, dass andere in der Bar einschreiten würden, desto eher sind sie auch selbst bereit dazu. Genauso würden sie eher handeln, wenn sie sich selbst als körperlich stark einschätzen.
Für ein körperliches Eingreifen ist insbesondere entscheidend, ob Freunde und Angehörige diese Handlung gutheißen würden. Auch die moralische Bewertung ist wichtig, etwa ob sie Gewalt gegen den Täter für gerechtfertigt halten. Personen mit einer hohen Toleranz gegenüber Gewalt hingegen neigen eher dazu, zunächst abzuwarten, bevor sie handeln – wenn überhaupt.




