Studie

Weltweite Unterstützung für Klimaschutz größer als gedacht

Veröffentlicht am 16.12.2025
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Studie: „Globally representative evidence on the actual and perceived support for climate action“ von Peter Andre, Teodora Boneva, Felix Chopra und Armin Falk (Februar 2024)

Kurz: In ärmeren und vom Klimawandel stärker bedrohten Ländern ist die Bereitschaft höher, ein Prozent des eigenen Einkommens in den Klimaschutz zu investieren. Generell ist die Bereitschaft in den 125 untersuchten Ländern höher, als die Befragten selbst glauben.

 

Die meisten Menschen sind bereit, etwas gegen den Klimawandel zu tun – viel mehr als gemeinhin angenommen. Zu diesem Schluss kommt ein deutsches Forschungsteam um Peter Andre. Die Ökonomen hatten eine Umfrage in 125 Ländern mit fast 130.000 Teilnehmern durchgeführt. Sie stellen fest, dass 69 Prozent bereit wären, ein Prozent ihres Einkommens für den Klimaschutz auszugeben. 86 Prozent befürworten klimafreundliche Verhaltensregeln, etwa den Verzicht auf Autofahren, Flüge oder Fleischkonsum. Und 89 Prozent fordern mehr politisches Handeln gegen die Erderwärmung.

In Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Gallup wurden je Land rund 1.000 Personen ab 15 Jahren befragt. Die einbezogenen Staaten deckten 96 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen wie auch des globalen Bruttoinlandsprodukts und 92 Prozent der Weltbevölkerung ab. Die Studie erfasste sowohl die Bereitschaft, ein Prozent des verfügbaren Einkommens in den Klimaschutz zu investieren, als auch die Einschätzung, wie viel Prozent der Mitbürger dazu bereit wären. Zudem wurden die Zustimmung zu klimafreundlichen Normen sowie die Forderung nach verstärktem politischen Handeln erhoben.

Ergebnis: Die Bereitschaft zum finanziellen Beitrag ist dort am höchsten, wo die Folgen des Klimawandels besonders spürbar sind. In den ärmsten Ländern sind 78 Prozent der Befragten bereit, ein Prozent ihres Einkommens beizusteuern, in den reichsten Ländern hingegen nur 62 Prozent. Ein ähnliches Muster zeigt sich, wenn man das gegenwärtig herrschende Klima einbezieht: In den wärmsten Ländern liegt die Bereitschaft bei 77 Prozent, in den kältesten bei 64 Prozent.

Die Befragungen ergaben jedoch eine Verzerrung in der Wahrnehmung der öffentlichen Unterstützung: Menschen unterschätzen systematisch die Bereitschaft ihrer Mitmenschen, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Tatsächlich sind 69 Prozent bereit, ein Prozent ihres Einkommens für den Klimaschutz auszugeben, doch im Durchschnitt schätzen die Befragten diesen Anteil auf lediglich 43 Prozent. Dieser Trugschluss findet sich in allen untersuchten Ländern und könnte nach Ansicht der Forschenden ein wesentliches Hindernis für mehr Klimaschutz darstellen.

Eine Korrektur dieser Fehleinschätzung könne ein wirkungsvolles Mittel sein, um Klimaschutzmaßnahmen zu fördern, so das Forschungsteam weiter. Anstatt die Bedenken einer lautstarken Minderheit zu verstärken, solle kommuniz,iert werden, dass die große Mehrheit der Weltbevölkerung bereit ist, gegen den Klimawandel zu handeln, und auch von ihren Regierungen entsprechendes Handeln erwartet.

Anteil der Bevölkerung, der bereit ist, ein Prozent des Einkommens für Klimaschutz zu spenden; in Prozent, Befragung von April 2021 bis Oktober 2022; niedrigster Anteil: 30,5 Prozent in Ägypten; höchster Anteil: 92,8 Prozent in Myanmar.