Kaffee als Wirtschaftsfaktor

Gewinner, Verlierer und Champions

Afrika hat in den letzten Jahrzehnten als Kaffeeexporteur an Bedeutung verloren. Südamerika dominiert den globalen Kaffeemarkt, Asien holt auf.

Veröffentlicht am 23.03.2026
Article Thumbnail

Kaffee gehört zu den wichtigsten gehandelten Agrarrohstoffen weltweit. Gemessen am Exportwert steht er an siebter Stelle im globalen Handel, direkt hinter Mais und Reis.1 Täglich werden rund drei Milliarden Tassen konsumiert – Tendenz steigend. Dieses Wachstum wird sowohl von klassischen Kaffeeregionen als auch von neuen Märkten, in denen Kaffee immer stärker an Bedeutung gewinnt, getragen. Ein Beispiel dafür ist der asiatische Raum. In Ländern wie Indonesien, Indien, den Philippinen, Thailand oder Vietnam steigen sowohl Produktion als auch Nachfrage, während im Nahen Osten, aber auch in Osteuropa, eine aufkommende Café-Kultur den Konsum ankurbelt.

Begünstigt durch eine Erholung der Ernten in Vietnam und Indonesien sowie Rekorderträge in Äthiopien dürfte die globale Kaffeeproduktion im Erntejahr 2025/26 mit rund 178,7 Millionen 60-Kilogramm-Säcken einen neuen Höchststand erreichen.2

Für viele Länder nahe des Äquators, im sogenannten Kaffeegürtel, ist Kaffee ein zentrales Exportgut und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Weltweit wird Kaffee in über 50 Ländern angebaut, überwiegend in tropischen Hochlagen.3 Die Produktion konzentriert sich jedoch zunehmend auf wenige Regionen. Zwischen 2017 und 2021 erzeugten nur 13 Länder – die sogenannten Kaffee-Champions – knapp 94 Prozent des weltweit gehandelten Kaffees.4 Die zwei größten Kaffeeproduzenten sind Brasilien und Vietnam, gefolgt von Ländern wie Kolumbien, Indonesien und Honduras.

Bis zu 25 Millionen Menschen bestreiten ihr Einkommen primär aus dem Kaffeeanbau, der überwiegend von Kleinbetrieben getragen wird. 95 Prozent aller Kaffeefarmen sind kleiner als fünf Hektar, der Großteil davon sogar kleiner als zwei Hektar. In vielen Anbauländern fehlen wirtschaftliche Alternativen zum Kaffeeanbau, sodass ganze Volkswirtschaften in hohem Maße vom Kaffeeexport abhängig sind.5

Brasilien nimmt im globalen Kaffeeanbau eine Sonderstellung ein. Historisch entwickelte sich Kaffee dort bereits im 19. Jahrhundert zum zentralen Exportgut und trug maßgeblich zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes bei. Im Verlauf des Jahrhunderts führte der Kaffeeanbau zu Investitionen in den Eisenbahnbau, zog Hunderttausende Einwander:innen aus Südeuropa an und stärkte die Kaufkraft. Die daraus erzielten Staatseinnahmen sind unter anderem in öffentliche Güter wie Bildung geflossen und haben damit wichtige Voraussetzungen für industrielle Entwicklung geschaffen.6

Eine Studie der Juristischen Fakultät der Columbia-Universität untersuchte unter anderem die Einkommen aus dem Kaffeeanbau in zehn großen Produktionsländern. Die Ergebnisse zeigen: Brasilien ist das einzige Land, in dem Kaffeebauern und -bäuerinnen im Durchschnitt genug verdienen, um davon leben zu können. Begünstigt wird dies durch vergleichsweise große Betriebsflächen und zunehmende Mechanisierung – Bedingungen, die in vielen anderen Anbaugebieten mit bergigem Gelände kaum gegeben sind. Zudem fließen in Brasilien im Schnitt rund 86 Prozent des Exportpreises an die Produzent:innen zurück, was durch eine kosteneffiziente Lieferkette und starke Genossenschaften ermöglicht wird. 

In acht der zehn untersuchten Länder liegt das durchschnittliche Einkommen aus dem Kaffeeanbau auf oder unterhalb der Armutsgrenze. Besonders ausgeprägt ist die Einkommenslücke in Uganda: Dort verdient ein durchschnittlicher Kaffeeproduzent lediglich rund 88 US-Dollar pro Jahr mit Kaffee, während die Referenzwerte für ein existenzsicherndes Einkommen – je nach Berechnung – zwischen 2.000 und 6.000 US-Dollar liegen.7

Neue Chancen für Afrikas Kaffeesektor?

Der Ursprung des Kaffees liegt in Afrika, genauer gesagt in Äthiopien. Trotz dieser historischen Rolle hat der afrikanische Kontinent in den vergangenen Jahrzehnten stark an Bedeutung im globalen Markt verloren. Sein Anteil an der weltweiten Produktion sank von rund 21 Prozent in den 1960er-Jahren auf etwa 11 Prozent in den Jahren 2017-2021. Politische Instabilität, fehlende Investitionen, schwache Infrastruktur und überregulierte Märkte sind nur einige Faktoren, die die Entwicklung bremsen.

Doch für afrikanische Staaten ergeben sich aktuell neue wirtschaftliche Perspektiven, etwa durch den wachsenden innerafrikanischen Handel im Rahmen der Afrikanische Kontinentale Freihandelszone AfCFTA.8

Für viele einkommensschwache Länder wie Äthiopien oder Burundi sind die Erlöse aus Kaffeeexporten eine wichtige Einnahmequelle. In Äthiopien machten sie im Jahr 2023 rund ein Drittel der gesamten Warenexporte aus, in Burundi knapp ein Viertel. Mit diesen Einnahmen finanzieren die Staaten wiederum einen erheblichen Teil ihrer Lebensmittelimporte.9

Ein zentrales Beispiel für dieses wirtschaftliche Potenzial ist Uganda: Zwischen November 2024 und Oktober 2025 hat das Land seine Kaffeeexporte nahezu verdoppelt und mit 8,4 Millionen exportierten Säcken Einnahmen in Höhe von 2,4 Milliarden US-Dollar erzielt.10 Kaffee ist damit neben Gold das wichtigste Exportgut Ugandas und trägt rund drei bis vier Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Insgesamt hängen im Land etwa zwölf Millionen Menschen direkt oder indirekt vom Kaffeesektor ab.

Trotz der ökonomischen Bedeutung und obwohl der Kaffeeanbau bereits einen messbaren Beitrag zur Armutsminderung geleistet hat, bleiben die Einkommen der Produzent:innen niedrig. Eine 2024 veröffentlichte Analyse der Internationalen Arbeitsorganisation zeigt, dass ugandische Kaffeebauern und -bäuerinnen von Armut betroffen sind, über ein geringes Bildungsniveau verfügen und nur eingeschränkten Zugang zur Gesundheitsversorgung haben. 

Niedrige Produktivität aufgrund von kleinen Anbauflächen und vorwiegend manueller Arbeit begrenzen die Produktion. Ähnliche Muster zeigen sich auch in Äthiopien, Ruanda oder Tansania. Vor diesem Hintergrund ist der Ausbau des Kaffeesektors zu einem zentralen Schwerpunkt der wirtschaftlichen Strategie Ugandas geworden. Der Entwicklungsplan Vision 2040, der 2007 vom Kabinett verabschiedet wurde, verfolgt das Ziel, Uganda bis 2040 zu einem Land mit gehobenem mittleren Einkommen zu entwickeln.11

Wachsende Märkte, neue Strategien

Im Gegensatz zu Afrika hat sich der asiatische Raum zu einem der am schnellsten wachsenden Kaffeemärkte weltweit entwickelt. Vietnam ist nach Brasilien der zweitgrößte Kaffeeproduzent und erwirtschaftete 2024 rund 19 Prozent des globalen Exportvolumens. Der Ausbau der Anbauflächen und hohe Erträge haben das Produktionsvolumen zwischen 2005 und 2024 deutlich gesteigert. Für viele landwirtschaftliche Haushalte ist Kaffee zu einer wichtigen Einkommensquelle geworden. 2018 sicherte der Sektor das Einkommen von über 600.000 Haushalten und beschäftigte rund 2,6 Millionen Menschen – etwa fünf Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung. Gleichzeitig schöpft Vietnam noch nicht das volle Potenzial des Kaffeesektors aus: Der überwiegende Teil des vietnamesischen Kaffees wird als unverarbeitete Rohware exportiert, wodurch ein Großteil der Wertschöpfung im Ausland verbleibt.12

Auch in Lateinamerika sind viele Länder stark vom Kaffeeexport abhängig, etwa Honduras, Peru oder Nicaragua. Andere Länder setzen zunehmend auf besonders hochwertige Kaffees – sogenannte Spezialitätenkaffees – oder den Export von bereits verarbeitetem Kaffee, um höhere Preise zu erzielen und am Markt zu bestehen. Trotzdem bleibt der Kaffeeanbau ein riskantes Geschäft: Preisschwankungen, Extremwetterereignisse und steigende Produktionskosten treffen vor allem Kleinbauern und -bäuerinnen.

In vielen Produzentenländern wird Kaffee überwiegend als Rohware exportiert, während Weiterverarbeitung und Markenbildung außerhalb der Anbauregionen stattfinden. Europa ist mit 24 Prozent der größte Absatzmarkt, gefolgt von den USA mit 16 Prozent.13 Während US-Bürger:innen rund vier Euro für eine Tasse Kaffee zahlen und Cafés daran – vor Abzug der Betriebsausgaben – etwa 1,80 bis drei Euro verdienen, erhalten die Produzent:innen nur rund zehn Prozent des Endpreises einer Tasse Kaffee.

 

Existenzsicherung - Einkommen Kaffeeproduktion

 

 

  1. 1

    Public Eye (Hg.): Trends und Entwicklungen im globalen Agro-Food-Sektor, auf: publiceye.ch (Stand 5.2.2026).

  2. 2

    International Coffee Organization (Hg.): Sustainability and Resilience of the Coffee Global Value Chain: Towards a Coffee Investment Vehicle, S. 21, auf: icocoffee.org (Juni 2024); Coffeebi (Hg.): Global Coffee Consumption Trends 2025: Youth, Specialty and Market Expansion Drive Growth, auf: coffeebi.com (20.7.2025).

  3. 3

    Panhuysen, Sjoerd; De Vries, Frederik: Coffee Barometer 2023, S. 8, 14, auf: coffeebarometer.org (2023).

  4. 4

    Patacconi, Gerardo: Sourcing diversification, S. 16, auf: icocoffee.org (März 2022).

  5. 5

    International Coffee Organization 2024, S. 21; Panhuysen; De Vries 2023, S. 8, 14.

  6. 6

    Absell, Christopher David: The rise of coffee in the Brazilian south-east: tariffs and foreign market potential, 1827–40, in: The Economic History Review 73(4), 2020, S. 964-990, hier: S. 967.

  7. 7

    Cordes, Kaitlin Y.; Sagan, Margaret; Kennedy, Solina: Responsible Coffee Sourcing: Towards a Living Income for Producers, Columbia Center on Sustainable Investment, New York 2021, S. 17 ff.

  8. 8

    Patacconi 2022, S. 16.

  9. 9

    Amrouk, El Mamoun; Rakotoarisoa, Manitra A.; Ait-Ali, Abdellatif: Global coffee market and recent price developments, FAO, Rom 2025, S. 1.

  10. 10

    Senyonyi, Taddewo William: Uganda Earns UGX 8.2 Trillion From Coffee Exports In 12 Months On Increased Production, Improved Prices, auf: businessfocus.co.ug (11.12.2025).

  11. 11

    International Labour Organization (Hg.): Mapping the coffee value chain in Uganda, Genf 2024, S. VI, VII, 19.

  12. 12

    Dang, Duc Chien; Do, Xuan Hien; To, Xuan Phuc: Coffee Sector in Vietnam. Current state and key policy aspects, April 2025, S. 9, 11, 15; Foodcom (Hg.): Global Report: Coffee Market Overview 2026, auf: foodcom.pl (23.1.2025).

  13. 13

    atacconi 2022, S. 15; Panhuysen; De Vries 2023, S. 4, 8, 10.