Gesundheitsprokrastination
Eine Auswertung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung von mehr als 90 Studien aus über 25 Ländern zeigt: Ein Drittel der Befragten möchte nichts über eine mögliche schwere Erkrankung wissen. Das heißt, sie verzichten bewusst auf unerwünschte medizinische Informationen – etwa indem Arztbesuche aufgeschoben, Tests vermieden und Ergebnisse ignoriert werden. Untersucht wurde der Umgang mit Krankheiten wie etwa Alzheimer, Huntington, HIV/Aids, Krebs und Diabetes. Am höchsten war die Vermeidungsquote bei Alzheimer mit 41 Prozent, bei Krebs betrug sie 29 Prozent.
Gründe für die Vermeidung von Informationen zum eigenen Gesundheitszustand sind insbesondere: kognitive Überforderung; ein geringes Gefühl von Selbstwirksamkeit, die eigene Gesundheit nicht selbst in die Hand nehmen zu können; Angst vor Stigmatisierung, etwa bei einem positiven HIV-Test; und fehlendes Vertrauen in das Gesundheitssystem. Um herauszufinden, ob sich das Verhalten auch auf die Gesundheit selbst auswirkt, sind weitere Studien erforderlich.

