Es ist egal, ob Timmy stirbt!
Wenn ein einzelnes Tier in Not gerät, reagieren Menschen mit Mitgefühl, die Medien berichten darüber und Helfer eilen herbei. Das ist Tierschutz. Jede Handlung bleibt jedoch symbolisch.
Tierschutz richtet sich auf das Leid des Individuums und folgt einer moralischen Logik: Wir wollen helfen, weil wir uns als empathische Wesen verstehen.
Diese Perspektive ist eher auf den um sich selbst kreisenden Menschen zugeschnitten. Artenschutz hingegen fragt nicht nach dem einzelnen Tier, sondern nach ganzen Populationen und Ökosystemen. Ohne Artenvielfalt kollabieren Nahrungsnetze, Ernten sinken und Klimasysteme destabilisieren sich. Artenschutz ist deshalb keine emotionale, sondern eine strukturelle Notwendigkeit.
Der Fokus auf Timmy, den armen Wal, ist daher irrelevant. Wichtiger ist es, das Ökosystem Meer zu retten. Dafür braucht es weniger Fischerei, weniger Erderwärmung und strengere Schutzgebiete.
Der Tierschutz bindet Aufmerksamkeit, obwohl der Artenschutz sie viel dringender benötigt. Wer wirklich etwas für Wale tun will, sollte deshalb nicht versuchen, einen sterbenden Wal mit nassen Lappen zu bedecken, sondern sich dafür einsetzen, die industrielle Ausbeutung der Meere zu verhindern und die CO2-Emissionen zu senken – am besten politisch!