Einkommensungleichheit geht mit Gehirnveränderungen bei Kindern einher
Studie: „Macroeconomic income inequality, brain structure and function, and mental health“ von Divyangana Rakesh, Dimitris I. Tsomokos, Teresa Vargas, Kate E. Pickett und Vikram Patel (September 2025)
Kurz: Kinder aus US-Bundesstaaten mit großen Einkommensunterschieden weisen Gehirnveränderungen auf – die später deren psychische Gesundheit beeinträchtigen können.
Ein US-britisches Forschungsteam hat untersucht, ob und wie die ungleiche Verteilung des Einkommens in den USA mit der Gehirnentwicklung und psychischen Gesundheit von Kindern zusammenhängt – und zwar unabhängig von deren persönlicher sozialer und finanzieller Situation. Für ihre Analyse nutzten die Wissenschaftler Daten aus der ABCD-Studie mit über 10.000 Kindern im Alter von neun und zehn Jahren aus 17 US-Bundesstaaten. Sie ist die größte langfristige Studie zur Gehirnentwicklung und Gesundheit von Kindern in den Vereinigten Staaten. Für die Auswertung der Vernetzung der verschiedenen Hirnregionen standen Daten von 8.412 Kindern zur Verfügung. Der sogenannte Gini-Koeffizient gab Aufschluss über die Unterschiede in der Einkommensverteilung innerhalb der Bundesstaaten.
Die Studie verlief in drei Schritten: Zunächst prüften die Forscher:innen, wie höhere Einkommensungleichheit im jeweiligen Bundesstaat der Kinder mit Veränderungen in der Gehirnstruktur einherging. Dazu nutzten sie die Daten aus der ABCD-Studie sowie ein Verfahren, mit dem sich Struktur und Aktivität des Gehirns sichtbar machen lassen. Danach untersuchten sie die Vernetzung der Hirnregionen, also wie stark verschiedene Teile des Gehirns miteinander kommunizierten. Schließlich ermittelten sie, ob die identifizierten Gehirnveränderungen nach 6 und nach 18 Monaten mit mehr psychischen Problemen einhergingen – unabhängig von anderen Faktoren wie etwa der Bildung der Eltern, deren psychischer Gesundheit oder eventuellen Gefängnisaufenthalten.
Es zeigte sich, dass Kinder aus Bundesstaaten mit höherer Ungleichheit im Durchschnitt in vielen Gehirnregionen eine geringere Oberfläche und eine dünnere Rinde aufwiesen. Auch waren viele Verbindungen zwischen wichtigen Bereichen des Gehirns verändert: Bei Kindern aus Bundesstaaten mit ungleichen Einkommen waren die Hirnregionen, die für sensorische und motorische Funktionen und sowie für Denken und Aufmerksamkeit zuständig sind, anders vernetzt.
Ungleichheit steht auch mit der psychischen Gesundheit von Kindern in Zusammenhang. Das lässt sich durch Veränderungen der Oberfläche und des Volumens des Gehirns sowie durch die Verbindung bestimmter Netzwerke – des Ruhezustands- und des Aufmerksamkeitsnetzwerks – erklären.
Weil strukturelle Ungleichheit klare biologische Folgen habe, müsse sie bei Maßnahmen zur Verbesserung der psychischen Gesundheit der Bevölkerung berücksichtigt werden, so der Appell der Forschenden.
