Wird alles teurer?
Steigende Preise für Energie, Lebensmittel und Mieten setzen immer mehr Menschen unter Druck – längst nicht mehr nur Haushalte mit geringem Einkommen. Im Januar 2025 führte das Meinungsforschungsinstitut Verian im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung dazu eine repräsentative Umfrage durch. Insgesamt wurden 1.012 Menschen in Ost- und Westdeutschland telefonisch zu steigenden Lebenshaltungskosten befragt.

Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, sich finanziell stark einschränken zu müssen, in Ostdeutschland sind es sogar 70 Prozent. Zudem sagen fast zwei Drittel, dass ihnen jeden Monat mindestens 50 Euro fehlen, um den bisherigen Lebensstandard halten zu können.
Gleichzeitig wächst die Ungleichheit: Während Löhne und Sozialleistungen kaum noch für ein menschenwürdiges Leben reichen, steigen die Vermögen großer Unternehmen und Superreicher weiter an. Entsprechend hoch ist die Zustimmung zu einer Vermögenssteuer, für die sich vier von fünf Befragten aussprechen.
Besonders wichtig sind den Befragten außerdem Investitionen in mehr soziale Gerechtigkeit: An erster Stelle steht mehr Personal in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Schulen und Kitas. Dahinter folgen bezahlbarer Wohnraum sowie der Ausbau des öffentlichen Nah- und Schienenverkehrs.



Gefühlte vs. tatsächliche Inflation
Die Inflation in Deutschland ist im März 2026 laut Statistischem Bundesamt von 1,9 auf 2,7 Prozent gestiegen. Hauptgrund sind die steigenden Energiepreise. Viele Menschen empfinden die Preissteigerungen jedoch als deutlich höher. Dieses Phänomen wird in der Wirtschaftswissenschaft als gefühlte Inflation bezeichnet.
Was steckt dahinter? Menschen nehmen Preissteigerungen nicht bei allen Produkten gleich wahr. Gestiegene Kosten fallen besonders bei Dingen auf, die man häufig kauft, wie etwa Lebensmittel oder Benzin. Preisänderungen bei selten genutzten Produkten oder Dienstleistungen fallen hingegen weniger auf.

Hinzu kommt ein sogenanntes Inflationsgedächtnis: Sehr hohe Preisanstiege, etwa während der Energiekrise mit Inflationsraten von zeitweise über acht Prozent, bleiben vielen Menschen lange im Gedächtnis. Dadurch entsteht eine Lücke zwischen offizieller und gefühlter Inflation. Das hat Folgen für die Wirtschaft und das Konsumverhalten, denn wer mit steigenden Preisen rechnet, konsumiert zurückhaltender.



